Schmerzpsychotherapie
– ein Buch für Zahnärzte? Diese Frage stellen sich
sicher viele Leser dieser Rezension. Von der Autoren nicht explizit
als Haupzielgruppe, jedoch unter den Medizinern neben Physio-, Sport-,
Ergo- und Sozialtherapeuten die Adressaten des ca. 650 Seitenwerkes
rund um das Thema Schmerz. Das es mehr als ein Thema ist, kann einem
mitunter erst beim Durchblättern und angeregtem Lesen bewusst
werden - und einhergehend können sich die Blickweisen auf manch
Patient verändern.
Den Herausgebern und Autoren ist es gelungen die Dimensionen, Ursachen
und Verknüpfungen des Schmerzen im Menschen anschaulich darzustellen.
Eine durchweg verständliche Sprache macht ein angenehmes Lesen,
bei welchem Neugier und anhaltende Motivation geweckt wird möglich.
So stört es einen nicht, dass Bebilderungen und Tabellen nur
in und an den notwendigen Plätzen angebracht sind. Kurze dick-gedruckte
Kondensate zwischen überschaubaren Fließtextblöcken
erleichtern selektives Lesen und fördern in Ergänzung
das Verständnis.
Physiologischen und psychologischen Grundlagen des Schmerzes gilt
der erste Teil (166 Seiten) des Buches und ist zum Verständnis
der folgenden Abschnitte teils unerlässlich teils hilfreich.
Den Ausführungen zu Schmerz in Abhängigkeit von Alter,
Geschlecht, sozialem und ethnisch/kulturellem Umfeld gilt es insbesondere
in Gedanken an die tägliche Praxis Interesse zu schenken. Umfassende
Beschreibungen zu diesen Modulatoren sind Inhalt des zweiten Teils
und betrachten den Patienten insbesondere im Spannungsfeld seines
Umfelds und seiner Disposition.
Handwerkzeug zur Schmerzanamnese, -diagnostik und begutachtung liefert
der 3. Abschnitt (100 Seiten) gefolgt von der Beschreibung der häufigsten
Schmerzerkrankungen auf weiteren 150 Seiten die sich eingehend mit
Migräne, Kopf-, Krebs-, Rücken- und Bauchschmerz, Fibromyalgiesyndrom,
Morbus Sudek und ausgewählten chronischen Schmerzsyndromen
befassen.
Abschließend werden weitere 150 Seiten zur Erklärung
der Behandlungsoptionen im multiprofessionellen Therapieansatz beschrieben
– Gefahren wie „pain-games“ und „Korphäenkiller“
bleiben genauso berücksichtigt wie Hypnose, Biofeedback und
kognitiv-behaviorale und psychodynamische Therapieen.
Ein gelungenes Ende sind die Kapitel Medikamentenmissbrauch und
kritische Relexion aus Patientenperspektive.
Diese Gliederung macht das durchweg wunderbare und lesenswerte Buch
gleichwohl zu einem kompetenten Nachschlagewerk, dass durch die
ausführlichen Literaturangaben jeweils am Kapitelende eine
weitere Vertiefung ermöglicht.
In sechster, sicher nicht letzter Auflage, hat das Buch viele Leser
gefunden und gilt von noch mehr entdeckt zu werden. Trotz des für
viele Kollegen sicher befremdlichen Titels kann ich es allen zahn-
und allgemeinärztlichen Kollegen mit nachdrücklicher Kaufempfehlung
ans Herz legen – Im Versprechen vieler ungeahnter Einsichten
und Hilfen für den täglichen Umgang (nicht nur) mit vermeintlichen
Problempatienten.
HUETTIG, FABIAN.; rating:
*****
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