Jahrelang (!) hat man
warten müssen um den überarbeiteten „Schwenzer Prothetik-Band“
von Thieme in den Händen halten zu können. Mit jedem Semester
dachte man die alten Restbestände seien endgültig vergriffen
und dann war er da – im Thieme Gewand mit verstärkter
Besetzung an Herausgebern, die umso mehr Autoren um sich scharten,
um ein Prothetik-Lehrbuch zu gestalten, welches den aktuellen Stand
klinischer Prothetik behandelt. Allerdings verrät schon der
Titel, dass es sich zwar um eine vollständig überarbeitete
und erweiterte Auflage handelt, aber im Haupttitel fehlt der bis
dahin mitgeführte Anspruch auf „Werkstoffkunde“.
Da Prothetik aber ohne Werkstoffkunde nicht geht, findet man vor
allem im neuen Kapitel „Vollkeramik“ einen Ausflug durch
die material- und technologieimmanenten Probleme der Versorgung
und Konsequenzen bei der Indikation. Auch das Kapitel zur Materialunverträglichkeit
trägt der Werkstoffkunde Rechnung, jedoch vermisst man die
Basics zu Kunststoffen und Metallen, welche noch immer zum A und
O der Prothetik gehören. Stattdessen kann der Leser sich an
einem riesigen implantatprothetischen Kapitel erfreuen und erstaunen,
welches dem Volumen von Teil- und Totalprothetik gleich kommt. Ob
dies für ein studentisches Lehrbuch von der Gewichtung so sinnvoll
ist, ohne den Platz der Implantattherapie in der Prothetik in Frage
zu stellen, ist jedoch fraglich. Diese Frage wird dem studentischen
Leser sicher auch wieder stellen, wenn er eine Darstellung von Epithetik
im gleichen Umfang der dagegen für prothetisches Tun wesentlich
essentielleren Schienentherapie findet.
Allen Kapiteln wohnt die gewohnte professionelle und gut strukturierte
Darstellung der Inhalte inne. Viele Bilder illustrieren den Text,
der mit Merksätzen und Praxistipps optisch ansprechende durchsetzt
ist. Zu Kosten der Klinischen Bilder geht allerdings die Präsenz
von Schemazeichnungen und Tabellen. Durch zusätzliche Kapitel
wie „Präprothetik mit Vorplanung …“, „Zahnersatz
bei älteren Menschen“ sowie „Nachsorge“ werden
diese besonderen Aufgabenstellungen ergänzt und können
gezielt, allgemeingültig nachgelesen werden. Motiviert es so
auch mit und in dem Buch regelmäßig zu arbeiten.
Abschließend wird ein Ausflug in die (aktuelle) dentale Informatik
- besonders im prothetischen Praxisalltag gewagt. Das die Innovationen
der EDV und IT in rasantem Tempo literarisches überholen ist
den Herausgebern bewusst und so beschränkt man sich auf die
Darstellung von Trends und Basics wie digitale Artikulatoren, Zahnfarbbestimmung,
Zahnaufstellung und natürlich auch CAD-CAM, ohne am Markt etablierte
Systeme als beispielhaft und zukunftsweisend, sondern nur exemplarisch
anzuführen. Ein somit gelungener Abschluß eines Lehrbuches,
welches dem angehenden und jungen Zahnarzt ein willkommener und
vielbebilderter Helfer und Lehrer, dem propädeutischem Studenten
jedoch nur ein wertvoller Einblick in klinische Konsequenzen von
an anderer Stelle gelernten Grundlagen seien kann.
HUETTIG,
FABIAN; rating: ***
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