In der aktualisierten
und teils komplett neu aufgelegten 2. Auflage wird bereits mit dem
Lesen des Vorwortes ersichtlich, wohin ein wichtiger Trend in der
ZahnMedizin geht. In der modernen Patientenversorgung handelt sich
längst nicht mehr nur um die reine problemorientierte Wiederherstellung
der Kaufähigkeit. Vielmehr soll dem Patienten die Möglichkeit
gegeben werden, sich unter Erfüllung seiner Vorstellungen und
seiner im Rahmen des medizinisch vertretbaren liegenden Schönheitsideale
wohl zu fühlen mit einem neuen, unauffälligen, vitalen
und langlebigen Lachen.
Natürlich
muss bei vielen Patienten dieses spezielle Gesundheits- und Schönheitsbewußtsein
hervorgerufen werden, ohne das einige der hier aufgeführten
Behandlungsmöglichkeiten nicht realisierbar wären. Der
vorliegende Atlas bietet eine Fülle an Bildern, die auch zur
Information für an der Materie interessierte Patienten dienen
kann. Um dem Patienten anschaulich seine Situation im Mund zu verdeutlichen
und um Planungssicherheit durch computerunterstützte Planungs-
und Bildbearbeitungsprogramme zu erhalten werden dem Leser Tipps
zur (digitalen) Fotografie und sofortige Demonstrationsmöglichkeiten
für den Patienten theoretisch und praktisch erläutert.
Die hohe Qualität der Intraoralkameras macht die dentale Fotografie
zu einem hilfreichen Instrumentarium, wenn es darum geht kleine
kariöse Läsionen und Verfärbungen an schwer zugänglichen
Stellen zu „demonstrieren“.
Das Bleichen
ist in der Öffentlichkeit als eines der Schlagworte im Bereich
der ästhetischen Zahnmedizin zu sehen. Die Nachfrage, so liest
man, sei in den letzten 4 Jahren um 400% gewachsen. Entsprechend
viel Raum wird der wissenschaftlichen Analyse der Produkte (Chemie
des Bleichvorgangs, zeitlicher Aktivitätsverlauf des Inhaltsstoffs
etc), deren Anwendung, möglicher Behandlungsrisiken und der
Erfolgswahrscheinlichkeit einer Therapie eingeräumt. Praktischerweise
ist am Ende des Kapitels, wie auch beim Kapitel „Grundlagen“
eine praxisorientierte Checkliste, deren Inhalt dem Patienten gut
als Infobrief dienen kann. Wer neu ist im Gebiet der Ästhetischen
ZHK findet hier zeitsparende Hilfestellung. Nicht kongruent verläuft
hier das Text-Bildverhältnis, so liest man im Text vom möglichen
Verzicht auf ein Bleichmittelreservoir in der Schiene, die Bilder
zeigen und sagen genau das Gegenteil. Die Abbildungen sind aus der
1. Auflage übernommen worden. Insbesondere beim internen Bleichen
hätte ich mir eine qualitätsorientiertere Darstellung
der Behandlung unter aseptischen Bedingungen (Kofferdam!) erwartet.
Den dentalen
Kompositen wird, wie schon in der ersten Auflage, viel wissenschaftlicher
Raum gegeben, ebenso dem nachfolgenden Kapitel Bonding. Beide Kapitel
bilden die Grundlage für Verständnis und Anwendung von
Frontzahn- und Seitenzahnfüllungen sowie die Befestigung einer
Vielzahl keramischer Versorgungen. Die unterschiedlichen Bondingsysteme
werden bspw. nach Art der Benutzungshäufigkeit durch Zahnärzte,
des erforderlichen Ätzvorganges mit seinen potentiellen Fehlerquellen
und den Haftwerten in übersichtlichen Listen dargestellt.
Bei den Frontzahnfüllungen
werden eher vorher-nachher Bilder zur Verfügung gestellt, hier
wäre eine Vertiefung insbesondere auf die oftmals schwierige
Matrizentechnik wünschenswert. Es gibt jedoch eine Übersicht
über eine Vielzahl verschiedener Matrizensysteme. Die Systematik
der Step-by-Step Darstellung ist gut, setzt jedoch hinreichende
Kenntnisse voraus.
Die Betrachtung
der modernen Vollkeramiken erfolgt mit herausragender Bebilderung,
man erhält eine umfassende und mehr als ausreichende Information
über klinisch notwendige Fakten, hauptsächlich zu Oxidkeramiken.
Das nachfolgende Kapitel „Veneers“ ist dank reichhaltiger
Bilder der Einzelschritte auch für Einsteiger geeignet. Die
provisorische Versorgung, gemeinhin als Visitenkarte einer Praxis
beschrieben, kommt mit einer Doppelseite allerdings zu kurz. Die
Kapitel über keramische Inlays, Kronen und Brücken sind
umfassend, gut aufbereitet und mit klaren Verfahrensschritten und
Bildern versehen.
Dem breiter
werdenden Markt der CAD/CAM wird das folgende Kapitel dahingehend
gerecht, als es verschiedenste Systeme auf einer Doppelseite vorstellt
und Möglichkeiten, Indikationen, Besonderheiten etc. wertungsfrei
auflistet. Dem Einstieg folgend ist der Leser jedoch angehalten
sich weitergehend mit dem jeweiligen System zu beschäftigen.
Die ästhetische PA-Chirurgie ist in der 2. Auflage, meiner
Meinung nach entsprechend der vielerorts gesunkenen Nachfrage durch
Patienten gerecht werdend, von prominent vertretener Stelle ans
Ende des Atlanten gerückt, wird aber umfangreicher behandelt.
Die chirurgischen Möglichkeiten sind mit schönen und präzisen
Bildern angereichert. Ein vertieftes Literaturstudium ist hier jedoch
empfehlenswert. Einen wahren Sprung erlebt man bei der Implantologie
zwischen erster und zweiter Auflage. Der Erhaltung der periimplantären
Strukturen, beginnend am Tag der Extraktion (socket preservation,
etc), sowie umfangreiche Augmentationstechniken werden vorgestellt.
Weitere, nicht mehr zeitgemäße Behandlungsoptionen werden
nur rudimentär behandelt, wie Kompositinlays, Celay-Kopierschleifverfahren,
Goldgussfüllungen etc. Der abschließende Ausflug ins
Marketing ist eher allgemein gehalten und nicht speziell auf die
Inhalten des Atlanten bezogen.
Wünschenswert
wäre meiner Meinung ein Kapitel mit Bebilderung über (temporäre,
teilweise nur „gefühlte“) Misserfolge, bspw. in
der PA-Chirurgie, bei der temporären Versorgung, Keramikfrakturen
und deren Vermeidung/Reparatur. Zwar kann es nicht Gegenstand eines
Atlanten sein alle (Un)-möglichkeiten zu vereinen, dem ästhetisch
orientierten Anfänger werden jedoch Probleme begegnen, deren
vorangestellte Kenntnis ihn eher anspornen denn hemmen könnte.
Dass der Einband des Atlanten keine Nummerierung mehr trägt
(alt: Nr. 15) mag Ergebnis einer Layout-Umstrukturierung sein, missfällt
aber noch in der vollständigen Reihe der Atlanten (auch der
neue Paro-Atlas hat die Nr.1).
Alles in Allem
liegt mit der 2. Auflage des Farbatlanten für Ästhetische
Zahnheilkunde ein umfassendes, mit guten (und nicht nur plakativen)
Bildern, strukturiertem Aufbau, verständlichen Texten und übersichtlichen
und ausführlichen Tabellen versehenes Werk vor, das sowohl
Anfängern als auch fortgeschrittenen und erfahrenen Zahnärzten
als Unterstützung und hilfreiches Nachschlagewerk dienen kann.
Von meiner Seite eine klare Kaufempfehlung!
KUECK, M. ; rating: *****
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