Nun ist endlich
die aktuelle Version des Farbatlas Endodontie auf dem Markt –
das war überfällig. Nachdem in der Vorgängerversion
manche Themen nur unzureichend behandelt worden sind (bspw. die
thermoplastischen Obturationsmethoden) wurde in der zweiten Auflage
der Inhalt zu ca. 90% überarbeitet, neu verfasst oder aktualisiert.
Und das war auch überfällig. Neu aufgenommen wurden Themen
wie die Notfallendodontie, die Schmerztherapie, maschinelle Aufbereitung,
viele neue Instrumente und Materialien, chirurgische Endodontie,
Mikrochirurgie, Endodontie und Parodontologie, Endodontie und der
Gesamtorganismus.
Inhaltlich begegnet man einem durchdachten und wohlstrukturierten
Aufbau, der einen Step-by-step sowohl durch die klassischen Behandlungssituationen,
als auch durch neue Gebiete rund um die Endodontie leitet. Wirklich
geniale Bilder (über 1900 Stück) zeigen einem verständlich
das „wie“, „wann“, „warum“ und
„wie kann und soll es aussehen“. Ab welchem Punkt man
selbst allerdings in der Lage ist, diese Ergebnisse zu erzielen,
sei dahingestellt. Hilfreich sind die teils in Einzelschritten exakt
dargestellten Behandlungsabläufe allemal. Materialien und teilweise
deren Verarbeitung werden gezeigt und genannt, und dies ohne jeden
werbewirksamen Hintergrund.
Der Arbeitsweise unter dem OP-Mikroskop sollte noch mehr Raum gegeben
werden, es gibt nur 4 Bilder zur Ergonomie. Da das OPM als unverzichtbarer
Bestandteil endodontologisch ausgerichteter Praxen gesehen wird
ist dies ein Manko, zumal insbesondere der Rücken bei mehrstündigen
Behandlungen geschont werden sollte. Gut hingegen ist in diesem
Zusammenhang bspw. die Vergleichstabelle verschiedener Mikroskopsysteme.
Ein No-Go sollte - in einem Spezialistenatlas - die bloße
Benennung und Diskussion von Devitalisationsmaßnahmen, Ozon
und einige der genannten Spülmethoden sein, da diese entweder
bekanntermaßen antiquiert sind oder sich als klinisch unbedeutsam
herausgestellt haben. Dieses Vorgehen deutet etwas die Richtung
an, die dieser Atlas meiner Meinung nach eingeschlagen hat: ein
umfassendes Universallexikon für Behandler-Generalisten bzw.
versierte und interessierte Kollegen, natürlich auch für
Studenten, aber nicht ein hochspezifisches Werk für Spezialisten,
das seinesgleichen sucht. Ein ähnlich reich bebildertes Werk
ist auf dem Markt jedoch nicht zu finden, zu empfehlen ist dieser
Atlas auf alle Fälle.
KUECK,
M. ; rating: ****
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