Das von Hesse unter Mitbeteiligung
10 weiterer renomierter Autoren verfasste Werk zur Diagnostik und
Therapie des Tinnitus darf schon an dieser Stelle als gelungene
und aktuelle Synopse einer der häufigsten und bekanntesten
"Erkrankungen des Ohres" gelobt werden. Das sich der Tinnitus
nicht nur auf das "Ohr per se" beschränken läßt,
sondern in seiner organischen und neurobiologischen Vielfalt ein
Regime an Diagnostik und demzufolge auch Therapie bedarf, kann nach
Lektüre des Buches erst gänzlich überschaut werden.
Nicht nur jeder Dritte Patient in der HNO-Praxis, sondern auch vielfach
bei Orthopäde und Zahnarzt klagen Patienten über Ohrgeräusche
in der Hoffnung auf "eine Idee". Der quälenden Antrieb
nach Antwort und Hilfe ist oft genährt von "Internetwissen",
Hörensagen oder yellow-press über mögliche Zusammenhänge
mit HWS oder Kiefergelenk. Diese Konfrontation ist nur allzu verständlich,
da es eigentlich kein Heilsversprechen zu Tinnitus gibt:
Dieses Buch ist daher dem funktionsdiagnostisch und psychosomatisch
tätigen Zahnarzt sehr zu empfehlen, da es die Vielfalt von
Ohrgeräuschen in Entstehung und Manifestation verständlich
beschreibt. Außerdem zieht es klar die Grenze zu "zahnmedizinischer
Interferenz" sowie Traumen und Veränderungen im HWS Bereich.
Bearbeitet wurde dies in einem Kapitel von Prof. Ernst. Wie im vorliegenden
Buch muß jedoch auch an dieser Stelle leider auf weitere Ausführungen
dazu auf Ernst&Freesmeyer zu "Funktionsstörungen
im Kopf-Hals-Bereich" verwiesen werden, um Manualdiagnostisches/-therapeutisches
Vorgehen im Falle von HWS Beteiligungen und CMD zu erfassen. Hilfreich
für die zahnärzlicher Praxis ist jedoch auch das Kapitel
zu psychometrischen Erfassungsmöglichkeiten (mit den Bögen
im Anhang d. Buches), Typisierung der Geräusche und die anamnestischen
Gesprächsführung im Sinne psychosomatischer Grundversorgung.
Damit der Patient sich in seinem Leiden angenommen werden kann,
jedoch auch Grenzen der Behandlung frühzeitig aufgezeigt werden
können, ist ein Wissen um diese komplexe Erkrankung somit unerlässlich.
Das Verständnis der o.g. organischen und neurobiologischen
Veränderungen trägt dann auch zum Verständnis etablierter,
noch nicht zu gelassener und alternativer Therapieansätze bei.
Diese werden grundsätzlich zu akutem und chronischem Verlauf
beschrieben. Weitere Medikamente, integrative psychotherapeutische
Interventionen, Akkupunktur, Entspannungstechniken, transkranielle
Magnetstimulation, aber auch Ginko-Extrakte werden beurteilt. In
allen Punkten ist die wissenschaftliche und kritische Bewertung
der bis 2008 veröffnetlichten Literatur Basis für im Buch
gezogene Schlussfolgerungen.
Die Kapitel zu Tinnitus
bei Kindern, Selbsthilfe bei Erkrankung, Leitlinien zur Therapie,
Adressen und Anschrifen sowie das umfassende Literaturverzeichnis
runden das Buch ab und bleibt dem Besitzer die nächsten Jahre
als verlässliches und umfassendes Handbuch zum Thema Tinnitus
erhalten.
HUETTIG, FABIAN. rating: ****
<
ZURÜCK