Für Mediziner
und Zahnmediziner - ein Buch, das im Untertitel die Relevanz beim
Namen nennt. Vielzuwenig
weiß man "von ein ander" - sei es der Zahnarzt,
dass doch fast jeder 10 Patient psychosomatisch "vorbelastet
ist",
sei es der Hausarzt, der "aseptische Halsschmerzen" als
Myopathie des Kauorgans erkennt oder beide wenn es um die Heilung
mittels Physiotherapie geht. Den mit cranio-mandibulären Dysfunktionen
vertrauten Kollegen sind das keine absoluten Neuigkeiten, jedoch
wird auch keiner dieser ein Buch, daß den Umfang der Ursachen,
Befunde und Diagnosen sowie Therapie möglichkeiten darstellt
bekannt sein. Genau hier steht das Buch von Zahnärzten und
Ärzten, die gemeinsam für jeden ihrer Kollegen einen Streifzug
durch die funktionellen Störungen im Kopf-Hals-Bereich wagen.
Dabei bleibt natürlich dem Umfang und der Übersicht zu
liebe spezielles auf der Strecke und muß über den knappen
Literaturverweis am Ende eines jeden Kapitels nachgearbeitet werden.
Zahnärzte dürfen
also nicht erwarten Ausführungen zur Schienentherapie oder
Radiologen zur Schichteinstellung von MRTs bei einer Posteriorverlagerung
zu erhalten.
Die Synopse
ist die Stärke des Buches - das angeregte "über den
Tellerrand schauen" und mehr verstehen. Vom Aufbau ist dies
nahezu glücklich gelungen. Beginnt es mit der allgemeinen und
funktionellen Anatomie um darauf hin
sich einstellende Befunde bei Funktionellen Störungen darzustellen.
Und das kann im Ohr genauso der Fall sein wie am Zahn. Um zur richtigen
Schluß zu kommen fügt sich auch gleich das Diagnostik-Kapitel
an. Wobei hier dem Anamneseteil die Psychosomatik vor der körperlichen
Untersuchung hätte zugeordnet werden sollen. Die körperliche
und funktionelle Befundung wird nicht nur praktisch und kurz beschrieben,
sondern auch gut illustriert, was hier stellvertretend für
das gesamte Buch hervorzuheben sei, wobei manche klinische Patientenbilder
sicher eindrucksvoller gewählt hätten seien können.
Nachdem alle möglichen Diagnostika von Neurologie über
Radiologie bis orthopädischer Beweglichkeits-
prüfung behandelt wurden, werden entsprechende Therapeutika
vorgestellt. Dabei ist der Einblick in die Manuelle Therapie genauso
gewährleistet wie in die Okklusale Therapie. Hierbei muß
allerdings deutlich gesagt werden, daß einige Ausführungen
dem Umfang des Kapitels (15 Steiten) gut getan hätten, auch
wenn sich daran die psychosomatische Behandlungsstrategie mit 25
Seiten anschließt und der Schmerztherapie ein weiteres Kapitel
eingeräumt wurde. Auf Letzteres möchte ich besonders mit
dem Verweis auf Dosierungsempfehlung, bei medikamentöser Therapie
Infektionsanwendungsabbildungen sowie dem Blick auf Akupunkturmöglichkeiten
positiv hinweisen. Auch werden TLA und TENS beschrieben (wobei mancher
sicher auch schon nach dem Abkürzungsverzeichnis sucht) die
Antworten beim aufmerksamen Lesen allerdings findet.
Das Glossar mit "zahnmedizinischen Begrifflichkeiten"
ist ein gelungener Abschluß, vorallem durch die Nennung der
englischen Begriffsentsprechungen für eine gezielte Literaturrecherche.
Auch hier könnte man jedoch, dem insgesamt so sehr hochpreisigen
Werk, mit mehr Stoff, Mehrwert verleihen.
Ein tolles
Buch, vor allem für jeden, der täglich mit (Schmerz-)Patienten
zu tun hat!
HUETTIG, FABIAN. ; rating:
****
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